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Die einzige Geschichte

Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.

Sie könnten - zur Recht - einwenden, das sei keine wahre Frage. Weil wir uns das nicht aussuchen können. Wenn wir es uns aussuchen könnten, gäbe es die Frage. Können wir aber nicht, darum gibt es keine.

Wer kann schon bestimmen, wie viel er liebt?

Wenn man es bestimmen kann, ist es keine Liebe. Ich weis nicht, wie man es dann nennen würde, aber Liebe ist es nicht.

Die meisten von uns haben nur eine einzige Geschichte zu erzählen. Damit meine ich nicht, dass uns im Leben nur einmal etwas geschieht: Es gibtt unzählige Erreichnisse, aus denn wir unzählige Geschichten machen. Aber nur ein Ereigniss ist von Bedeutung, nur eins ist letzten Endes erzählenswert. Hier ist meins.

Aus: "Die einzige Geschichte", Julian Barnes, Kiepenheuter & Witsch, 2019


Lied der Einsamkeit

Man kann mitunter scheusslich einsam sein …

Dann nützt es nichts, mit sich nach Haus zu fliehn

Und falls man Schnaps zu Hause hat, Schnaps zu nehmen.

Dann nützt es nichts, sich vor sich selbst zu schämen…

Dann weiss man, was man möchte, klein zu sein…

Dann schliesst man seine Augen und ist blind

Und ist allein…


Friedrich Glauser: Er zitiert in seinem Roman "Matto regiert"
verfremdet aus Erich Kästners "Apropos, Einsamkeit!"

Elegies Of The Brokenhearted

Wer sind die fünf wichtigsten Menschen, die unsere Persönlichkeit geprägt haben? Mary spricht in diesem Buch in fünf Kapiteln in der Ich-Form zu diesen Menschen, die alle verstorben sind: Der versoffene Onkel, der Aussenseiter in ihrer Klasse, ihre exaltierte Mutter mit fünf Ehemännern, ihre Mitbewohnerin im College und ein scheiternder Komponist. Marys Liebe und zeitweilig unbändiger Hass zu diesen Personen und die daraus folgende zermürbende Zwiespältigkeit in ihren persönlichsten Beziehungen im Leben sind grossartig geschildert - alles auf dem Hintergrund ihres Erwachsenenwerdens in einer herunterkommenen Industriestadt in der USA in prekären Verhältnissen. Es gab in den letzten Jahren kein besseres Buch.



Christie Hodgen, Elegies Of The Brokenhearted, 2011
Deutscher Titel: Fünf Menschen, die mir fehlen.